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Wettervorhersage für das Kirchenjahr

Christkönig, Ende des alten Kirchenjahres. 1. Advent, ein neues Kirchenjahr beginnt. Das Kirchenjahr kennt keine Jahreszeiten und beginnt auch nicht mit dem 1. Januar.

Das Kirchenjahr will etwas Eigenes betonen, und orientiert sich an Glaubensgut, historischen Begebenheiten und konkreten Menschen.

Das Kirchenjahr führt uns die theologisch reflektierte Biographie Jesu immer wieder neu vor Augen, so in den Hochfesten Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

Das Kirchenjahr vergegenwärtigt aber auch in jeder ihrer Wochen Männer und Frauen, die Feuer im Herzen hatten, einen kühlen Kopf bewahrten oder ein stürmisches Temperament besaßen, heilig oder selig nennen wir sie. Menschen also die in der Geschichte unserer Kirche nicht auf der Welle der allgemeinen Meinung ritten, sondern ihren eigenen Weg mit Gott suchten, und so zu Vorbildern wurden. Zu ihnen zählen auch die beiden Päpste Johannes der XXIII und Johannes Paul II.

In meinem Badezimmer neben dem Spiegel hängt ein kleiner Abreißkalender, der für jeden Tag im Kirchenjahr ein eigenes Blatt hat. Dieser Kalender informiert mich u.a. über den Heiligen des Tages, ein besonderes Fest, oder die Liturgie. Er ist so etwas wie die „Wettervorhersage“ des katholischen Alltags. Kann ich nur empfehlen!

So trägt das Kirchenjahr für mich dazu bei, dass mir der Stoff des Erzählens nicht ausgeht vom Glauben der Menschen, die auch mir ihren Bezug zu Gott vorgelebt haben, und denen auch ich verdanken, heute selber vom Glauben erzählen zu können.

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg).
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Was „kostet“ die Augenhöhe in der Gemeinde

Menschen die etwas verbindet bilden Gemeinschaft. Christen verbindet ihr Glaube, deshalb wollen sie Gemeinschaft sein. Diese Gemeinschaft bedeutet Augenhöhe, weil das Wesentliche ihnen gemeinsam ist, der Glaube. Augenhöhe meint aber nicht alle müssten z.B. gleich intelligent, kreativ oder verantwortlich sein. Augenhöhe meint, bei aller Verschiedenheit, ist jeder in gleicher Weise „Reichtum“ der Kirche.

Wie aber ist dann vertretbar, dass die einen für ihren Einsatz bezahlt werden und die anderen nicht. Denn wer ehrenamtlich engagiert ist, der verdient kein Geld, die hauptamtlich Beschäftigten (Pastoralreferenten, Gemeindereferentinnen, Priester) aber verdienen in der Kirche ihren Lebensunterhalt.

Der Grund dafür: Bezahlte Tätigkeit ist nur dann berechtigt, wenn sie etwas leistet, was das unbezahlte Ehrenamt selbst nicht leisten kann.

Hauptamtliche haben einen hervorragenden Dienst an den Ehrenamtlichen zu leisten, und das bedeutet, Talente zu entdecken, zu fördern und deren Kontinuität zu ermöglichen.

Gemeinde lebt von dem Reichtum der Talente eines jeden einzelnen. Bezahlte Mitarbeiter setzen dafür ihre ganze Arbeitskraft ein, um Ehrenamtliche zu  stärken,  zu entlasten, zu ermutigen und zu qualifizieren.  Deshalb haben sie ein Recht auf Lebensunterhalt.

Allerdings muss, wer in unserer Kirche seinen Lebensunterhalt berechtigt verdienen will, sich kontinuierlich Rechenschaft darüber geben, ob sein Dienst der Gemeinde dient. Nur so kann er der Gefahr entgehen, einzig nur sich selbst zu gefallen.

 

Text: Lk 18,9-14

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg).
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Arm oder Reich = Relativ

Wie weit liegen Armut und Reichtum auseinander oder vielleicht auch beieinander?

Tragen da Statistiken von Armutsgrenze bis Reichensteuer zur Klärung bei? Wo befinden Sie sich eigentlich auf der nach oben offenen Habenskala? Ab wann empfinden sich Menschen jenseits aller Statistik als arm, z. B. wenn das Essen nicht ausreicht, kein Urlaub möglich ist, oder nur ein Billigauto drin ist? Sind volle Konten subjektiv die Garantie, reich zu sein?

Der Arme kann jenseits der Statistik reicher sein als der Reiche und der Reiche ärmer sein als der Arme. Hier wird man nun auch protestieren können, Armut sei doch nicht reduzierbar auf ein subjektives Gefühl, das ist doch frommes Geschwätz, weil endgültig einzig Scheine im Portemonnaie ein sicheres Gefühl geben.

Trotzdem: Arm und Reich bleiben relative Begriffe, dies aber auch wiederlegend gibt es eindeutig arme Menschen und eindeutig reiche. Unter der Lupe: Jeder von uns z. B., der diesen Artikel als Abonnent einer Kirchenzeitung liest, ist nicht arm, sonst würden Sie sich dieses Abo nicht leisten wollen! Stimmt diese Einschätzung?

Auch wenn arm und reich im heutigen Evangelium eindeutig festgemacht sind, so geht es bei Lukas doch auch um Selbsteinschätzung bezogen auf den Lazarus und die namenlosen Reichen. Es geht um Selbsteinschätzung mit Konsequenzen und nicht um moralische Zeigefinger.

Was meinen Sie? Würden Sie beim Stand der Dinge morgen tot von den Engeln in Abrahams Schoß getragen werden, oder einfach nur begraben (nach Lk 16, 22)?

 

(Zum 26. Sonntag im Jahreskreis, Text: Lk 16, 19-31)

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg).
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Bitte keine Gegenleistung

Die Einladung  zu einem besonderen Essen kann Wertschätzung bedeuten. So sieht das zumindest Jesus und er setzt noch einen drauf: Ladet nicht jene ein, die die Gegeneinladung schon in der Tasche haben, sondern jene, die sich nicht revanchieren können. Anders gesagt, begegnet denen mit besonderer Wertschätzung, die  keine Möglichkeit haben auf gleiche Weise Wertschätzung zurückzugeben.

Jesus stellt in seiner Rede immer wieder Gewohnheiten in Frage, um Motivation und Wirkung zu hinterfragen, damit Gewohnheiten nicht zu nur Gewohnheiten verkümmern.

Sie könnten Jesu Anregung nun umsetzen und z.B. die Bettler ihrer Stadt zu sich einladen. Die würden dann aber schon begreifen, dass sie die Einladung dem Umstand verdankt Bettler zu sein und nicht aufgrund ihrer Person.

Ob die überhaupt kommen würden sei dahingestellt, aber wäre damit dem Gedankengang Jesu entsprochen? Jesus geht es um selbstlose Wertschätzung eines Menschen, in einer ihr angemessenen Form.

Jesu Gedanken weiter, anders gedacht: Noch 17 Wochen, dann ist Weihnachten und entsprechen der Gewohnheit auch Schenken angesagt. Denken Sie doch jetzt schon einmal darüber nach, wen Sie mit einem kleinen Geschenk zu Weihnachten wertschätzen könnten, dem Sie noch nie ein Geschenk gemacht haben, und der auch gar nicht damit rechnet. Jemandem „Entfernten“, dem sie einfach nur sagen wollen „gut dass es dich gibt“ oder so…

Die schönste „Gegenleistung“ des Wertgeschätzten zu Weihnachten wäre dann: „Aber jetzt habe gar nichts für Sie (dich).“

 

Text: Lk 14, 1. 7-14

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Vererben bei lebendigem Leib

Wird man sich an Sie erinnern, wenn sie tot sind? Vielleicht werden ja jene, die Sie beerben, Sie etwas länger in Erinnerung behalten.

Die Durchschnittsverstorbenen verschwinden schnell in die Erinnerungslosigkeit. Andere schaffen es in die gebildeten Köpfe als Künstler, Massenmörder oder Herrscher.

Doch all das ist letztlich nur Erinnerung an Verstorbenes,  die mit jedem vergehenden Tag zerbrechlicher wird.

Wer nicht nur Erinnerung sein will, sollte zu Lebzeiten in Lebensräume, vielleicht von auch noch fremden Menschen vererben.

Beispiel: Sie erleben einem jungen Mann, der hat Talent aber keine Chance, eine Idee aber keine Möglichkeit, einen Plan aber kein Geld, Mut aber keinen der mit ihm hofft.  Diesem jungen Menschen sollte etwas hinterlassen, sprich vererbt werden, das ihm Lebensraum ermöglicht, in dem er sein Talent entfalten kann.

Er benötigt dazu Netzwerke, finanzielle Perspektiven wie geschenktes Geld, ideelle Unterstützung, Lobbyarbeit, vertrauensbildende Maßnahmen, Ihren guten Name um nur einige Erbgüter zu nennen.

Ja, es klingt verrückt, das Erbe nicht zu Lebzeiten anzuhäufen, sondern bei lebendigem Leib in Entfaltungsräume anderer zu vererben.

Die Nachhaltigkeit so zu vererben könnte sein, dass Menschen, die selbst eine Change auf „unverdienten“ Lebensraum erhalten haben und eines Tages ihrerseits was zu vererben hätten, zu Nachahmern werden und bei lebendigem Leib vererben und so Lebensraum für andere Menschen und ihr Talent schaffen. Klingt verrückt, ist ver–rückt!

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg).
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Wolf oder Schaf, was wäre Ihnen lieber

Schafe unter Wölfen das ist eindeutig, die Rollen sind klar verteilt. Weder das Schaf noch der Wolf müssen erklären warum sie sind wie sie sind. Sie müssen sich einfach nur rollenkonform verhalte und dann sind alle zufrieden, das Lamm lammfromm und der Wolf wolfsgefährlich.

Aber wie wäre es denn, wenn der Wolf nicht seine Rolle spielt und friedlich daher kommt und das Schaaf, auf Grund seiner körperlichen Unterlegenheit, trotzdem mit List versucht den Wolf zu besiegen.

Was wäre wenn die Rollen nicht eingehalten würden, die aufgrund von Tradition oder Zuweisung verteilt sind.

Ich möchte hier den Sinn von Rollenverteilungen nicht grundsätzlich in Frage stellen, wohl aber blind zu meinen, sie ausfüllen zu müssen.

Bei Jesus sind die Jünger die Schafe, die auf Grund der Botschaft vom Reich Gottes, das z.B. einhergeht mit sozialer Gerechtigkeit auf Erden, all jene zu Wölfen werden lässt, die sich durch die „Schafsworte“ provoziert fühlen. Brave Bürger werden aufgrund der Schafsworte zu zähnefletschenden Wolfsbürgern,  die mit dem verschlingen der Schafe auch meinen die unbequeme Botschaft vernichten zu können.

Aber irgendwie haut das heute nicht mehr hin, wer sind denn aktuell die Schafe, wo sind die Wölfe.

Allerdings geht und ging es nie wirklich um Rollenverteilung, sondern darum, zu was uns die Botschaft macht.

 

(Zum 14. Sonntag im Jahreskreis)

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Glauben heute für morgen anschlussfähig machen

Die Bedeutung der biographisch gelegten und später erlebten Anknüpfungspunkte in der Glaubensvermittlung

Weitergabe des Glaubens, wie geht das?

Diese Frage ist Thema, seit es Glauben gibt! Diese Fragestellung auf das Christentum bezogen ist so alt, wie das Christentum selbst.
Schon der Apostel Paulus stellt fest: „Der Glaube kommt vom hören…“ (vgl. Röm 10, 17), und konstatiert damit, dass der Glaube beim Menschen nur dann ankommen kann, wenn ihm voraus eine Handlung gesetzt wird, hier das Sprechen vom Glauben. Darum geht es im Kern der Frage nach der Weitergabe, vom Glauben so sprechen, das der Hörende darauf zurückkommt, -kommen kann, -kommen will.

Alles, was das Thema Weitergabe des Glaubens allgemein betrifft, ist in der Theologie reflektiert, in der Pastoraltheologie in ungezählte theoretischen Modelle umgesetzt, von der Missionswissenschaft in allen Kulturkreisen in den Blick genommen und in der Pastoralpsychologie auf jede menschliche Regung bezogen. All diese Anstrengungen füllen Kilometer lange Bücherregale und verschlingen Unmengen an Gigabytes.

Das Thema Weitergabe des Glaubens ist direkt im Gespräch oder indirekt in der unausgesprochenen Sorge ein Dauerthema in den Kreisen des Christlichen weltweit, und keiner Sprache dieser Welt, wie unbekannt sie auch immer sein mag, ist dieses Thema (ggf. auch deren Verhinderung) fremd.  Lesen Sie mehr »

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Und raus bist du …

Alle im Umfeld Jesu wissen, dass eine Witwe, die ihren letzten Sohn verliert, gesellschaftlich wie wirtschaftlich erledigt ist. Da gib es keine Perspektive, nur: „Und raus bist du“.

Kolumbien, Bogota, Stadtzentrum, 27. Mai 2013.

Unmittelbar neben mir durchsucht ein sichtbar heruntergekommener junger Mann einen kaputten Müllsack, und steckt irgendetwas direkt aus dem Müllsack in seinen Mund.

„Und raus bist du“, dachte ich spontan, und mir ging durch den Sinn: „Junger Mann, dein Erleben, deine Gefühle, deine Situation, dies alles ist mir fremd.“

So ging es wohl auch den Jüngern Jesu. Sie hatten keine wirkliche Vorstellung von dem, was die Witwe innerlich durchmachen würde, da sie nun ohne ihren „Ernährer“, den Sohn, abstürzen wird. Auch meine Lebenssituation bisher gibt Vergleichbares nicht her, Gott sei Dank. Ich kenne diese existentiellen Abstürze nicht, aber neben mir geschehen sie! Auch Jesus sieht in seiner Umgebung solche Abstürze und handelt. Hier bezogen auf die Witwe, deren Sohn er einfach „auferweckt“, um so der Mutter ihre Existenzgrundlage zurück zu geben.

„Sorry, junger abgewrackter Mann: Ich bin nicht Jesus, auch kein Kolumbianer, ich bin Ausländer aus einem reichen Land. Ich sehe dich, und stehe mal wieder zwischen der Erkenntnis: Weltweite Armut ist grundlegend eine Frage der Güterverteilung. Und: Armut hat konkrete Gesichter. Junger Mann, Wunder gehen bei mir nicht. Aber: Was kann ich tun? Eine Antwort auf diese Frage bin ich dir schuldig, weil ich dich gesehen habe.“

 

Zum 10. Sonntag im Jahreskreis, Text: Lk 7,11-17

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Stephanus ging an mir vorbei

Seine Eltern waren zurückhaltend katholisch. Über Freunde wurde er Ministrant und diente. Viel wichtiger aber war ihm die Clique, die Messdiener waren Freunde, andere hatte er nicht, wozu auch.

Sport war nicht sein Ding, Fete gerne in der Clique, Zeugnisnoten zwei und besser, ansonsten zurückhaltend bis nachdenklich, Gewicht keine 60 Kilo.

Einige in der Klasse nannten ihn Kirchenmaus, das war im egal, bis sie anfingen auf der Maus rumzutreten, ihn anzupöbeln: „Hast du immer noch keine Freundin, aber ist ja egal, du hast ja den Priester.“

Später,  in der Pause, nahmen sie ihn im Schutz der Schweiger, in die Zange und schlugen ihn immer wieder auf dieselbe Stelle, mit dem Kommentar: „Du brauchst ja keine Muskeln, du hast ja Gott.“

Das tat richtig weh, die Schläge meinte er, nicht aber der Kommentar, denn mit dem lieben Gott hatte er nicht wirklich einen Vertrag. „Der war ständig weg, wenn man ihn brauchte, auch als meine Eltern sich einvernehmlich trennten.“

Irgendwann schlug er zurück, nur einmal, voll auf die Nase, sagte er, dann war Ruhe, nur der Vertrauenslehrer bat um ein Gespräch.

Michael L. (heute 21)  erzählte seine Story aus Schulzeiten in einem Jugendgottesdienst, in dem er katechetisch gefragt wurde: „Was sagt dir die Steinigung des Hl. Stephanus.“  Er fand die Frage bescheuert, antwortete aber und ging. Das war sein letzter Gottesdienst, Freunde hat er andere, der liebe Gott ist weit weg. Eine Frage aber hat er: „Warum ist Stephanus nicht weggelaufen?“

 

(Zum 7. Sonntag der Fastenzeit)

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! (Ausrufezeichen) nach dem Motto: Manete in me

Clara Fey und ihre Gemeinschaft der „Schwestern vom armen Kind Jesus“
7. und letzter Teil

Letzte Daten: Am 8. Mai 1894 starb Mutter Clara in Simpelfeld (NL). Lebensdauer 79 Jahre, davon verbrachte sie 50 Jahre in der von ihr gegründeten Kongregation und von diesen war sie 44 Jahre Generaloberin. Mit dem 1872 beginnenden Kulturkampf (Heft Nr. 13, 2012) beugte sich Clara 1878 ihrer Zwangsausweisung und ging endgültig vom Mutterhaus in der Jakobstraße weg über die Grenze nach Simpelveld. Hier agierte seit ihrer Ankunft die Zentrale der später auf drei Kontinenten präsenten Gemeinschaft. In der dortigen Klosterkirche ruhten auch bis in den Spätsommer des vergangenen Jahres ihre Gebeine.

Am 1. September 2012 morgens 9 Uhr bildeten über den Domhof in den Aachener Dom hinein nicht nur Schwestern vom armen Kind Jesus ein enges Spalier, um den sterblichen Überresten Claras die Ehre zu erweisen, die von Simpelveld weg nun in der Bischofsgruft im Aachener Dom eine provisorische Bleibe finden sollte.

Niederlassung in Kolumbien

Niederlassung in Kolumbien

Der Grund, warum „Mutter Clara“ nun wieder an den Ort der Gründung ihrer Kongregation zurückkehrt ist, war so einfach wie traurig. Schon seit vielen Jahren ist der Leitung der Gemeinschaft klar, dass auf dem Hintergrund ihrer Alterspyramide die Handlungsspielräume der Schwestern immer enger werden. Deshalb wurden schon in den letzten Jahrzehnten immer mehr Immobilien und damit verbunden Engagement aufgegeben. Auch musste Grund, wie die Neubauten im „Klostergarten“ parallel zur Friedrich-Ebert-Alle in Burtscheid bezeugen, verkauft werden, um u. a. die Pflege der vielen älter werdenden Schwestern zu finanzieren.

Deshalb wurde auch entschieden das Kloster in Simpelveld zu verkaufen. Wer nun meint, diese Entwicklung bedeute mittelfristig „die letzte macht das Licht aus“, irrt!

Niederlassung in Indonesien

Niederlassung in Indonesien

Anziehungskraft hat diese Gemeinschaft da, wo sie ihr Charisma, ihr Alleinstellungsmerkmal entfaltet und Licht auf die Menschen wirft, die sich als unterbelichtet erfahren oder in Lichtlosigkeit, also perspektivlos gehalten werden. Menschen „anstrahlen“, und so der Gründungsidee Claras folgend leben z. B. in Indonesien 192 Schwestern und in Kolumbien sind es 56. Ihr Einsatz findet in Schulen, Kinderheimen und beruflichen Ausbildungseinrichtungen statt.

Ihr Glaube und ihr Mut, aus dem Glauben heraus auch in gesellschaftlich kritischen Situationen zu handeln, verbinden die Schwestern untereinander, egal wo sie präsent sind.

Weltweit sind noch knapp 500 Schwestern unterwegs an der Seite der Kinder, die keine Lobby haben. Und da schließt sich der Kreis. Denn genau damit hat damals, in der Zeit der Industrialisierung in Aachen alles angefangen: Claras Sorge um die verwahrlosten Kinder.

Kreuzgang Kloster Burtscheid

Kreuzgang Kloster Burtscheid

Wie geht es in Aachen weiter? Zwei Frauen, zwischen 28 und 40 Jahren alt, bereiten sich in Burtscheid darauf vor, in diese Gemeinschaft eintreten zu wollen. Werden diese Frauen diese Gemeinschaft in Deutschland oder gar Europa retten?

Nein, diese zwei Frauen werden gar nichts retten. Aber wenn auch hier in Aachen weiter und neu ein Klima vorherrscht, in dem auch solche heute exotisch wirkenden Lebensformen einen Platz haben. Wenn eine Gesprächskultur den Vorzug hat, die interessiert Fragen stellt wie und warum gehst du diesen Weg, wie kannst du so leben und was lässt dich zufrieden sein?

Dann wäre der Mut in der Gesellschaft spürbar, nicht nur die durchschnittlich vorkommenden Lebensentwürfe als erstrebenswert zu erachten. Dann wären diese beiden Frauen ein Ausrufezeichen, nach dem Vorbild Mutter Claras, getreu dem Motto: Manete in me!

 

Von Christoph Stender. Siebter Teil einer siebenteiligen Serie über die „Schwestern vom armen Kind Jesus“, anlässlich der Überführung der sterblichen Reste deren Gründerin Schwester Clara Fey im September 2012, von Simpelfeld (NL) in ihre Heimat nach Aachen. Erschienen in:  Burtscheid aktuell, Ausgabe 16, Februar 2013. Fotos: Daniel Karmann, Archiv
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