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Maria auf der Seite des Lebens

Gottesdienstentwurf zum „Hochfest der Gottesmutter Maria“

1. Januar Predigttext: Lk 2,16-21

Hintergrund

Im ausgehenden sechsten Jahrhundert wurde es in Rom, vermutlich unter byzantinischem Einfluß, üblich, ein Marienfest am 1. Januar zu feiern. Dieses Marienfest „Natalis sanctae Mariae“ wurde keinem besonderen Ereignis in der Biographie Mariens zugeschrieben, sondern war einfach ein Gedenktag an Maria. Dieses Fest ging verloren, als in Rom die beiden byzantinischen Marienfeste „Verkündigung Mariens“ (25. März) und „Aufnahme Mariens in den Himmel“ (15. August) übernommen wurden. Spätestens im 14. Jahrhundert wurde auf dem 1. Januar das Fest der „Beschneidung des Herrn“ in den römischen Kalender eingefügt. Mit der Kalenderreform von 1969 wurde der 1. Januar wieder ein Marienfest, das „Hochfest der Gottesmutter Maria“, an dem auch – und in der evangelischen Kirche ausschließlich – an die Namensgebung Jesu erinnert werden soll.

Liturgie

Abkürzungen: GDL: Gottesdienstleiter/Gottesdienstleiterin, D: Diakon, L: Lektor/Lektorin, GL: Gotteslob

Eröffnung

Orgelspiel

Begrüßung (GDL, L, D)

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen!
Jeder Anfang eines neuen Jahres weckt Hoffnungen und Wünsche, aber auch Ängste in uns. So unterschiedlich wir sind, die wir heute den Beginn des neuen Jahres feiern und an diesem Neujahrstag auch das Hochfest der Gottesmutter Maria, so unterschiedlich sind auch unsere Vorstellungen für dieses anbrechende Jahr. jeder und jede einzelne von uns hat der eigenen Biographie entsprechend ganz persönliche Visionen für dieses neue Jahr, die nicht zu trennen sind von den Erfahrungen des vergangenen Jahres. Visionen, die unsere Hoffnungen, Sehnsüchte und Träume betreffen, die etwas zu tun haben mit unseren Familien, unseren Beziehungen, der eigenen Lebensgestaltung und der Schule, dem Studium oder dem Arbeitsplatz bzw. der Sorge darum. Bei aller Verschiedenheit unserer Lebensbiographien, Wünsche und Angste verbindet uns aber auch ein gemeinsamer Wunsch für die Zukunft: Möge das Leben gelingen. Lassen Sie uns gemeinsam diesen Wunsch zum Ausdruck bringen in dem Lied: Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.

Lied

Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, 1., 3. und 5. Strophe (im GL 002)

Einleitung zum Kyrie (GDL, D, L)

Unser gemeinsamer Wunsch für dieses neue Jahr ist: Möge mein Leben gelingen! Allerdings wäre es recht einsam um uns herum, wenn wir mit unserem gelungenen Leben alleine dastünden. Leben gelingt nicht ohne das Leben anderer Menschen in unserer Nähe.

Kyrie (L, D)

GL 023
Wir möchten Danke sagen für unsere Fähigkeiten und Talente, die wir im vergangenen Jahr entfalten konnten. (Pause.) Entschuldigen sollten wir uns dann, wenn wir diesen Reichtum nur für uns behalten haben.Liedruf: Herr, erbarme dich

Wir möchten Danke sagen für die Menschen, die unserem Leben im vergangenen Jahr gutgetan haben. (Pause.) Entschuldigen sollten wir uns dann, wenn wir uns selbst eigensüchtig anderen vorenthalten haben.

Liedruf: Herr, erbarme dich

Wir möchten Danke sagen für den Glauben, den wir in uns spüren und aus dem heraus wir das vergangene Jahr gestaltet haben. (Pause.) Entschuldigen sollten wir uns dann, wenn wir unseren Glauben anderen gegenüber verschwiegen haben.

Liedruf: Herr, erbarme dich

Vergebungsbitte (GDL)

Gott, der du in allem mächtig bleibst, du mögest uns vergeben, wenn wir unseren Reichtum nur für uns behalten haben, wenn wir uns selbst anderen vorenthalten haben und wenn wir dich in unserem Leben verschwiegen haben. Überrasche uns immer neu mit Lebendigkeit in unserem Leben und führe uns gemeinsam durch dieses Leben zu unzerbrechlichem Leben in dir, der du uns Vater und Mutter bist. Amen.

Gloria

GL 257, 5. Strophe, Dich, Gott Vater auf dem Thron

Tagesgebet (GDL)

Du, der du sagst: „Ich bin »Ich-bin-da«“,
Maria, die Mutter deines menschgewordenen Sohnes, hat den Mut und die Kraft gehabt, ihr eigenes Leben an die Seite ihres Sohnes jesus Christus zu stellen. So konnte ihr Leben gelingen in dir.
Hilf auch uns, im Namen Jesu unser Leben in die Hand zu nehmen, damit es aus dir heraus gelingt, der du der Gott des Lebens bist.
Das erbitten wir in ihm, Jesus Christus, der in der Kraft des Heiligen Geistes mit dir lebt und liebt, jetzt hinein in die Ewigkeit. Amen.

Lesung (L)

Num 6,22-27

Zwischengesang

GL 005, Stern über Betlehem, 1. bis 5. Strophe

Evangelium (GDL)

Lk 2,16-21

Predigt

Sagen Sie mir, wie hat Maria ausgesehen? War sie besonders schön, oder hatte sie eher ein markantes Gesicht? War sie auffallend kräftig, oder war eine schlanke Taille ihr Stolz? War sie mehr von robuster Natur oder doch eher etwas kränkelnd? Die meisten – besonders mittelalterlichen – Künstler sind sich da einig: Maria war schön, auch wenn man über die Bedeutung des Begriffes „schön“ sehr engagiert streiten kann. Aber es gibt ja genügend Belegexemplare von der Schönheit Mariens in vielen Kirchen zu sehen. Skulpturen und Gemälde präsentieren eine freundliche, oft auch etwas lieblich anmutende Maria mit leicht verklärtem Blick. War sie so, diese Maria?

Ich möchte Ihnen heute ein anderes Bild von Maria zeichnen, das selbst in der modernen Kunst wenig Chancen auf Anerkennung findet. Mein Bild von Maria ist sehr einfach und in Gedanken sehr leicht nachzuzeichnen: Maria als ein Viereck an der Wand. Maria nur ein einfaches Viereck, ca. 1,70 m hoch und 60 cm breit; als Farbfassung würde ich Weiß vorschlagen, da Weiß für eine Hintergrundfarbe die geeignetste ist. Das ist mein Bild von Maria: Maria als Hintergrund für den Vordergrund Jesus. Maria, der Hintergrund, auf dem Jesus ungetrübt sichtbar wird. Maria hat Jesus sichtbar werden lassen, nicht nur als Mutter, die den Sohn Gottes zur Welt gebracht hat, die Hintergrund der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus war. Sondern: Maria gestaltet ihr ganzes Leben als einen Hintergrund, der Jesus zur Mitte werden läßt. Das Leben Mariens ist ein ständiges Hinweisen, ein Verweisen auf Jesus Christus. Maria entschied sich, dazusein, um auf Jesus zu zeigen, ihn sichtbar werden zu lassen. Maria lebt, sagt und zeigt: „Das ist Jesus, der Sohn Gottes.“ Dieses Bild wird Maria wesentlich gerechter, weil es ins Bild bringt, wer Maria war und was ihr Leben gelingen ließ: Ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und mit all ihren Fähigkeiten und Talenten auf den zu zeigen, der Leben bringt, der Leben gelingen lassen kann, den Sohn Gottes.

Wir sind heute, am Fest Mariens, eingeladen, uns selbst zu befragen, ob wir ein ähnliches Bild von unserem Leben zeichnen möchten. Ob unser Lebensbild Hintergrund für den menschgewordenen Sohn Gottes sein soll. Dazu ist erst einmal notwendig, unser Leben mit all seinen Stärken und Schwächen anzunehmen. ja zu sagen zu uns selbst, weil Gott zu uns Ja sagt, um dann zu schauen: Wo können wir ihn in unserem Leben sichtbar werden lassen, bzw. was verhindert in unserem Leben die Sichtbarkeit Jesu?

Weil wir wissen, wie Jesus mit und für die Menschen gelebt hat, können wir mit dieser Frage das vergangene Jahr unseres Lebens befragen, wie wir es gelebt haben. Weil wir wissen, wie Jesus mit den ,Menschen und für sie gelebt hat, können wir mit dieser Frage aber auch dieses neue Jahr gestalten, damit unser Leben immer mehr gelingt.

Zweiminütige Pause

Glaubensbekenntnis (Gemeinde)

Ich glaube an Gott, der Frau und Mann nach seinem Bilde ins Leben ruft, der die Welt schuf und beiden Geschlechtern Herrschaft über die Erde gab.
Ich glaube an Jesus, Gottes Kind, auserwählt von Gott, geboren von einer Frau, Maria.
Ich glaube an Jesus, der Frauen zuhörte und sie liebte, der in ihren Häusern war, der über das Reich Gottes mit ihnen sprach, der Jüngerinnen hatte, die ihm nachfolgten und zu ihm standen.
Ich glaube an Jesus, der mit einer Frau am Brunnen über Theologie sprach und ihr zuerst anvertraute, daß er der Messias ist, so daß sie aufbrach und Menschen die große Neuigkeit brachte.
Ich glaube an Jesus, der sich salben ließ von einer Frau in Simons Haus, der die männlichen Gäste zurechtwies, die sich darüber empörten.
Ich glaube an Jesus, der eine Frau am Sabbat heilte, weil sie ein Mensch war.
Ich glaube an Jesus, der von Gott sprach wie von einer Frau, die einen verlorenen Groschen sucht, wie von einer Frau, die fegte, um das Verlorene zu suchen.
Ich glaube an Jesus, der auferstanden zuerst Maria aus Magdala erschien und sie mit der Botschaft aussandte: Gehe und sage es den anderen …
Ich glaube an den Heiligen Geist, der sich über den Wassern der Schöpfung und über der Erde bewegt. Ich glaube an den Heiligen Geist, der in uns sich sehnt und für das, was unaussprechbar ist, bittet. Ich glaube mit den Frauen und Männern, die als Kirche auf dem Weg dem Gott des Lebens trauen und auf ihn hoffen in unserem Bruder Jesus Christus.

Fürbittendes Gebet GL 127

Magnificat

Bei einer Eucharistiefeier werden während des Magnificats die Gaben zum Altar gebracht. Bei einem Wortgottesdienst geht es in diesem Formular nach dem Magnificat weiter mit dem Vater unser, Friedensgebet, Friedensgruß, Schlußgebet, Segen und Schlußlied.

Gabengebet (GDL)

Du, der du sagst: „Ich bin »ich-bin-da«“,
wir möchten dir danken für Maria, die mutig ihr Leben an die Seite ihres Sohnes Jesus Christus stellte.
Stärke uns durch dieses Mahl, damit wir uns für Jesus Christus stark machen und so immer neu zu Anwälten und Anwältinnen des Lebens in der Welt werden.
Das erbitten wir in ihm, Jesus Christus, deinem Sohn, der in der Kraft des Heiligen Geistes mit dir lebt und liebt jetzt hinein in die Ewigkeit. Armen.

Präfation (GDL)

vom Tag

Heilig

GL 469 Heilig ist Gott in Herrlichkeit

Hochgebet IV (GDL)

Kirche auf dem Weg zur Einheit

Vater unser

GL 362

Friedensgebet (GDL, L, D)

Herr Jesus Christus, wir bitten dich,
schau nicht auf das, was uns von dir und untereinander trennt, sondern schau auf das, was uns verbindet, auf unseren Glauben, auch wenn er oft sehr schwach ist, und schenke uns deinen Frieden.

Friedensgruß (GDL/D)

Der Friede des Herrn sei mit euch. Und mit deinem Geiste.

Lied zum Friedensgruß

GL 473, 1. + 3. Strophe: Im Frieden dein, o Herre mein

Agnus Dei

gesprochen

Kommunionausteilung

Weihnachtliche Orgelmeditation

Schlußgebet (GDL)

Du, der du sagst: „Ich bin »Ich-bin-da«“,
wir danken für das Geschenk deines Sohnes Jesus Christus, der uns lebendig macht.
Hilf auch uns, damit wir wie Maria auf der Seite des Lebens stehen und dich bezeugen als den Gott des Lebens in ihm, Jesus Christus, der in der Kraft des Heiligen Geistes mit dir lebt und liebt jetzt hinein in die Ewigkeit. Amen.

Segenswunsch L:

Ich bitte nicht, du mögest niemals so einen Schmerz in deinem Leib zwischen Fleisch und Muskeln spüren, der dich bange werden läßt, unwissend, ob er vergeht oder Anfang deines Endes ist.

Ich bitte nicht, dir möge die Frage erspart bleiben, was wird morgen aus meiner Arbeitskraft werden, wo kann ich in Zukunft meine Fähigkeiten einbringen, werde ich morgen Anerkennung erfahren?

Ich bitte nicht, der Zweifel möge dich niemals befallen: Was bin ich wert, liebt mich noch ein Mensch, bin ich nicht einfach nur überflüssig?

Ich bitte nicht, dir möge dieses große schwarze Loch ohne jeden Halt erspart bleiben, in das du einfach nur hineinfällst.

Ich wünsche dir nicht, daß all das nicht geschehen möge, was geschehen wird.

Wünschen möchte ich dir:

Haut, die dich streichelt und die auf dich wartet, gestreichelt zu werden.
Hände, die dich halten und die du zu halten dich sehnst.
Augen, die dir nachgehen und in die du hineinschaust.
Ein Wort, das dich trägt, und ein Mund, der es nie vergißt.
Ich wünsche dir ein du und diesem du dich, bis dorthin, wo uns nichts mehr halten kann.

(Aus: Christoph Stender, Für mich ist was drin, Bergmoser + Höller Verlag, Aachen, 1997)

Segen (GDL)

So sei Gott tragendes Wort für unser Leben und Halt dort, wo uns nichts mehr halten kann.
Daher segne …!

Schlußlied:

GL 595, 1.-3. Strophe: Maria breit den Mantel aus

Auszug:

feierliches Orgelspiel

Aus „Maria, Schwester im Glauben – Neue ökumenische Texte für Gebet und Liturgie“ hrsg. von Angela M.T. Reinders, Bergmoser + Höller Verlag, 1998. In Ausschnitten erschienen in: Maria 2008 – Gebete, Meditationen, Impulse zu den Hochfesten, Marienfeiertagen und zum Rosenkranz. Zusammengestellt von Simone Honecker. Leipzig. St. Benno-Verlag GmbH 2007.
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Meine Heimat

Da,
vereinzelte Bäume,
mal geducktes Geäst
und Grasnarben
lassen den Verlauf erahnen,
oft nur ein Rinnsal
die Landschaft sanft ordnend,
weit vor dem Horizont,
in der Fläche versickernd,
alles eben.
Heimat.

Dachziegel, Erker, First
enge Gassen, dann der Brunnen.
Man kennt sich,
hier aufgewachsen,
einige sind auch neu
zugezogen,
der Verein.
Und wenn es brennt,
wären alle zur Stelle,
wir sind irgendwie bei uns immer da.

Gipfel,
Fünftausender und mehr,
Glasgiganten, 50 Etagen,
Skyline, Panorama,
der Knauf vom Treppenhaus,
leg deinen Leib
als Mantel mir um,
Blick aus dem Fenster,
Kneipe an der Ecke,
der Plausch auf meiner Straße,
das Traumschiff,
Gedanken wirr und frei,
Hausnummer.

Und Heimat bin also ich,
mit mir
und all dem anderen.
Und so gewoben aus einem zarten Grün und fleischig grenzenlosen Wurzeln,
aus von wo bin ich gekommen
und mit gemeinsamen Worten.
So eben ich,
dessen Herz komponiert:
„Hier ist meine Heimat, da …!“

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg), März 2007
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Warum Sie?

Sie gibt es,
die Chance,
die Möglichkeit
gerade noch geschafft
und das war knapp,
die Kurve doch noch gekriegt,
ein Mix aus Glück, Vitamin B und etwas man selbst.
Super, Gott sei Dank.

Da war sie, diese Letzte,
die tauchte Ihr Morgen in ein neues Licht!

Sie haben sie „einfach“ nicht verdient,
nicht einmal erarbeitet.

Mist haben Sie gebaut,
mag schon was her sein,
aber Sie wissen es noch,
das war daneben, falsch,
unmenschlich,
von Gier oder so getrieben,
verletzend.

Also schuldig!
Sie wissen das doch noch!

Die anderen:
haben das nie mitbekommen,
haben ein Auge zugedrückt,
haben nicht angeklagt,
haben vergeben,
haben vergessen,
haben übersehen.

Da könnte Sie noch etwas schmerzhaft einholen! Leichen im Keller?
Ihr Geheimnis mit immer wieder rotem Kopf
oder feuchten Händen.

Aber Sie hatten sie, die Chance.
Sie hatten eine Chance,
einfach so.
Nicht wahr!
Warum ausgerechnet Sie?

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg), März 2007
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Der andere Ort

Klärung:
Was geklärt ist, erscheint klar.
Eindeutigkeit gibt der Klarheit
Durchsichtigkeit,
frei von Schatten.
Was klar ist, hat nichts mehr frei zu geben.
Alle klaren Orte sind aufgedeckt,
scheinen,
klar und wahr.

Verklärung:
Verklärung hebt den von der Klarheit
gefallenen Schleier auf,
legt ihr ihn wieder um,
nimmt ihr jedoch nichts,
sondern führt durch die Klarheit hindurch
in diffuses Licht,
das alle Klarheit von hinten anstrahlt
und so alle ihre Dimensionen ahnen lässt,
entschleiert.

Wir alle sind für Klarheit,
und die Verklärung der Klarheit,
meinen wir,
würde uns hinters Licht führen.

Der klare Blick entsteht
in einer Gallertkugel
einem Gewebeklumpen
auch Auge genannt,
klar.

Und doch ist das schauende Auge mehr:
Ein Blick,
ein Augenblick,
ein verklärter,
der weiter sieht!

Alle Hoffnung hat ihren Grund
nicht in der Klarheit,
sondern in der Verklärtheit.

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg), März 2007
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Erinnerung steht auf

Wenige Worte reichen, und Erfahrungen, Geschichten und Ereignissen brechen sich eine Bahn aus ihren Erinnerungen in das Jetzt eigener Gedanken, Bilder und Gefühle. Wenige Worte reichen aber nur dann, wenn ihnen ein Augenblick Zeit gegeben wird, die Türklinke heraus aus Ihrer Erinnerung zu finden.

Also, wenige Worte reichen aus und Erinnerung steht auf!

„ich bin ein Berliner …“
“ … bis dass der Tod uns scheidet.“
„Hol‘ schon mal den Wagen, Harry …“
„Alle für einen, einer für alle …“
„Wollt ihr den totalen …“
„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern …“
„Du willst es doch auch, dann zier dich nicht so …“
“ … früher war alles besser.“
„Diagnose Krebs“
„Das wollen Herr Präsident doch gar nicht wissen …“
„Ich habe entschlossen, mich von dir zu trennen …“
„Die Wahrheit wird siegen …“
„Im Namen des Volkes …“
„Ich bin das Wort, die Wahrheit und das Leben.“
„Die Gedanken sind frei …“
„Ich liebe dich!“
„Vor der Kaserne, vor dem großen Tor …“
„Lass doch wachsen, werden und liebe wer du bist …“

Das Wort ist Macht, Waffe oder Segen. Das Wort ist Banalität, überhört und so nicht einmal zu vergessen. Das Wort, ist einmal gesprochen, nicht mehr zurückzunehmen.

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg), Februar 2007
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Erfolg und Nachfolge

Selig, die arm und ehrfürchtig vor Gott sind und ihre Leitungsaufgabe als Vertrauenserweis Gottes annehmen im Dienst der ihnen anvertrauten Menschen.

Selig, die die Trauer und Traurigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen und begleiten.

Selig, die ihre Machtposition nicht ummünzen in bürokratische Gewalt.

Selig, deren Leitungsstil geprägt ist von Hunger und Durst nach Gerechtigkeit.

Selig, die leiten in Barmherzigkeit, die Grenzen der Arbeit so erkennen und entsprechend heilend handeln.

Selig, die mit reinem Herzen Leitung wahrnehmen und keine Leichen im Keller liegen haben.

Selig, die in Leitungsverantwortung neue Schritte betrieblichen Friedens wagen.

Selig, die in Gerechtigkeit ihren Auftrag wahrnehmen, auch wenn Kolleginnen und Kollegen oder andere Wadenbeißer über sie lächeln.

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg), Februar 2007
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Versuchung noch mit 90

Sie werden jetzt 90 Jahre alt, wie haben Sie sich so vital halten können?
Die Gelegenheit immer wieder eine Aufgabe finden zu wollen, hat mich wach gehalten, ohne wäre ich schon fort.
Was ist das für ein Gefühl wenn die Freunde vor einem selbst sterben?
Das liegt an der Innenwand meines Herzens, da soll es auch bleiben.
Sind die jungen Menschen von heute für Sie eine andere Welt?
Bevor ich verstand alt zu werden, versuchte ich, zu imitieren, selbst ein Skateboard habe ich mir angeschafft.
Hahen Sie Angst vor dem Tod?
Ja, wenn ich vom Skateboard falle, und wenn ich vergesse, dass ich jeden Tag an der Reihe sein könnte.
Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Von Herzen, denn dieser Glaube wurde mir vorgelebt. Dieser Glaube wurde mit mir meine Heimat. Mit ihr werde ich gehen und in ihr werde ich ankommen. Haben Sie eine bessere Erfahrung?
Was war Ihre größte Herausforderung?
Aus mir das zu machen, was ich wohl werden sollte, obwohl ich es nicht immer wollte.
Ist Ihnen das gelungen?
Solange die Versuchungen sich bei mir noch nicht verabschiedet haben, bin ich noch dabei.
Sie meinen jetzt aber nicht so die Versuchungen, die eigentlich alle irgendwann mal haben?
Doch, ich meine alle diese Versuchungen, die mich auf einen Berg führen, um dort gezeigt zu bekommen, was ich nicht bin, mir genau dort aber auch eingeredet wird, genau das sein zu wollen.
Mit 90 haben Sie noch Versuchungen?
Ja, davon spreche ich doch die ganze Zeit, und was meinen Sie denn, warum ich noch lebe?
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… macht noch keinen Christen

Zu sagen
wer man ist
was man will und kann
und was nicht
ehrlich bei falscher Erwartung
klar im Bekenntnis
bereit Werte zu retten
mit Standpunkt
und Blick der weiter schaut
so auch Menschenfreund
mit einer Portion Barmherzigkeit
und humoriger Liebhaber seiner Selbst
eingetaucht in Gottvertrauen

all das

macht noch keinen Christen
würde ihm aber gut stehen
und die Welt etwas reicher machen
schützt sicher nicht vor dem Tod
aber lässt ahnen
wer da sterben wird

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In Auf ein Wort, Aufsätze + Artikel, Salzburg 2002 veröffentlicht | Getaggt | Kommentieren

Geheiligter Boden

Unsicher betrat ich diesen Boden, an dem Ehrfurcht und Unverständnis kleben. Ungezählte Menschen betraten schon diesen Bezirk gläubig und hoffend.

Gekachelt, kein Schmuck, ein Raum ca. 20 qm, dominiert von einem großen Becken, das gespeist wird aus einer Quelle, der heilende Wirkung zugesagt wird.

Mit einem Handtuch bekleidet wurde ein ungefähr 25 Jahre junger Mann in diesen „Baderaum“ geschoben, der durch Muskelschwund auf den Rollstuhl angewiesen gerade noch Kopf, Augen, Mund und Wangen bewegen konnte.

Ich war hier angetreten, um zu helfen mit der Leichtigkeit, Hilfe nicht als versteckte Hilflosigkeit spürbar werden zu lassen. Auch René sollte meine Muskeln nehmen dürfen als gehörten sie in diesem Augenblick ihm.

Wir legten unsere Arme unter Oberschenkel und Achseln, hoben ihn mit seinen SO Kilo aus dem Rollstuhl und trugen ihn behutsam in das Becken. Kein Wort, nur seine Augen taten uns, unsere Kraft ihm zu leihen.

Gestützt konnte René nicht einfach umfallen. Sein Gesicht strahlte die ganze Energie aus, die seinen restlichen Gliedmaßen fehlte. Sympathie in seinem doppelten Sinne verwirrte mich, unterbrochen von seinem Gebet „Gott, hilf Pascal und Monique ihre Behinderung an- zunehmen, bitte.“ Sein Gebet war bei den anderen, nicht für sich!

In seine Augen konnte ich nicht mehr schauen, meine Tränen hätten verdunkelt, was er sah.

Meine Hand berührte noch einmal seine Schulter, dann war er weg, hinter einer Tür im heiligen Bezirk von Lourdes. Doch eine Wahrheit bleibt: „René, dein Glaube heiligt diesen Boden.

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Prophetie wenn du sie willst

die Zukunftsforscher und ihre Weltabwägungen
die Analysten der Börse und ihre Geldtendenzen
die Erfahrenen und ihre Voraussichten von gestern
die Politiker und ihre Diagnosen der Gesellschaft
die Kenner und ihre Erkenntnisse
die Wirtschaftsweisen und ihre Prognosen des Wachstums
die Religionsführer und ihre Visionen der Menschheit
die Thekenkumpels und ihre Biereinsichten
die Nachdenker und ihr Vordenken

Sie verkünden ihre Botschaft
unterschiedlich im Gewicht
klingen sie alle irgendwie prophetisch

Prophetie?

Prophetie wird zur Prophetie:
mit Blick auf das Ganze im Ausschnitt
frei von Abhängigkeit und Gewinn
angstvoll vor ihrer Erkenntnis
in herzlicher Zuneigung zum Menschen
aus Ehrfurcht sich verneigend vor Gott
berührt von der Botschaft Jesu Christi

Du sagst:
Solche Prophetie gibt es nicht!
Ich sage:
Wenn du sie willst,
dann wird Prophetie dich finden!

Erschienen in: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Bonifatiusbote (Fulda), Der Sonntag (Limburg), Glaube und Leben (Mainz), Kirchenbote (Osnabrück), Kirchenzeitung (Hildesheim), Neue Kirchenzeitung (Hamburg), Tag des Herrn (Dresden), Tag des Herrn (Erfurt), Tag des Herrn (Görlitz), Tag des Herrn (Magdeburg), Januar 2007
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